Der Lockenstab – moderne Technik in der Antike

Wer einen Lockenstab benutzt, der merkt schnell, dass es sich dabei um ein Wundergerät handelt. Binnen Sekunden sind Ihre Haare in der Form, in der Sie sie wünschen.

Der Lockenstab, wie wir ihn heute kennen wurde in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts vom Pariser Erfinder und Friseur Marcel Grateu entworfen. Dieser hatte oft Kunden im Laden, die ähnliche Wünsche hatten wie die heutigen Frauen. Damals entwickelte er einen polierten Metallstab, den er in offenem Feuer erwärmte und um die er die Haare in Spiralform aufwickelte. Durch die starke Hitze an bestimmten Punkten zog sich das Haar zusammen und bildete die gekräuselte Form, die Sie heute als Locken kennen. Dieser Stab hatte natürlich seine Nachteile, die üblich sind für ein Produkt, das frisch aus der Erfinderwerkstatt kommt. Somit war der Einsatz mit Gefahren verbunden, wie zum Beispiel verbranntem Haar oder Verbrennungen an der Kopfhaut. Wenn Sie mehr über diesen Stab erfahren möchten, können Sie auf Wikipedia unter Ondulation nachschlagen.

In den darauf folgenden Jahren und Jahrzehnten war der Lockenstab kein Werkzeug, das jeder benutzen konnte, geschweige denn dass man sich damit seine eigene Frisur richten kann. Trotzdem entwickelten kluge Köpfe aus aller Welt an dem Gerät, um herauszufinden, wie man den Lockenstab verbessern kann. Schließlich sah man darin ein großes Potenzial, dass es auszuschöpfen galt. Einen großen Entwicklungsschritt in dieser Zeit stellte die Entdeckung der Elektrizität dar. Damit war es möglich, den Lockenstab ohne offenem Feuer zu erhitzen und man machte erste Fortschritte, die Temperatur zu kontrollieren.

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Später, als die 60er Jahre angebrochen waren, fingen die Firmen an, Lockenstäbe für den Hausgebrauch zu entwickeln. Am Anfang waren diese Geräte selten und teuer und wer sich so einen Stab leisten konnte, der hatte damit ein Statussymbol zu Hause, das es anhand der Haare zur Schau zu tragen galt. Im selben Jahrzehnt wurden die Stäbe sicher genug, um sie am eigenen Haar einzusetzen. Sie waren damit zwar einfacher zu bedienen als die Originalstäbe, jedoch waren sie immer noch weit entfernt von dem entfernt, dass sie heute als Lockenstäbe kennen.

Lockenstäbe heute

Heutzutage sind Lockenstäbe in vielen Läden zu finden und in großer Auswahl zu haben. Sie alle unterscheiden sich in Heizleistung, Größe, Form und Bedienkonzept. Inzwischen können die Geräte nicht nur Locken, sondern es gibt auch Heißgeräte zum Glätten, für leichte Wallung, Zickzackwellen und leicht geschwungenem Haar. Doch alle dienen sie noch zu ihrem Ursprünglichen Zweck: Die Verschönerung einer glatten Frisur. Die aktuell besten Lockenstäbe können auf http://www.lockenstablady.com verglichen werden. Die Technik des Erwärmens hat sich über die Zeit fortwährend weiterentwickelt. Die Heizspiralen sind kleiner geworden, die Beschichtung verteilt die Hitze gleichmäßiger, es gibt Infrarotheizungen und Ionenerhitzer. Mit den neuen Techniken ist es einfach, die Haare vor Überhitzung zu schützen und sie weich und geschmeidig zu halten.

Lockenstäbe der Antike

Doch das ist nur ein Teil der Geschichte des Lockenstabs. Der interessante Teil kommt nämlich noch. Denn Marcel Grateu war nicht der erste, der einen Lockenstab entwickelte. Er war nur der erste, den man mit Namen benennen konnte und den nun auch Sie kennen. Denn es gab schon 2000 Jahre vorher eine ähnliche Entwicklung. Denn auch in der Antike galt es, dem Schönheitsideal besonders nahe zu kommen.

Die römischen Frauen, die ähnlich wie die Männer für ihre extravaganten Frisuren bekannt sind, wollten, genau so wie Sie heute, immer genau das haben, was sie nicht bekommen konnten. Dazu gehörten blonde Haare, die sie durch das Bleichen mit Taubenmist oder das Einflechten von blondem Sklavenhaar erhielten genauso wie teurer und exklusiver Schmuck. Locken waren jedoch schon früh besonders wichtig. Denn es gab eine Person, die für die Römerinnen besonders bedeutend war: Die Kaiserin. Wenn die Kaiserin eine Knotenfrisur hatte, dann hatten alle römischen Frauen, die es sich leisten konnten, ebenfalls eine Knotenfrisur. Hatte die Kaiserin Locken, dann wollten die römischen Frauen ebenfalls Locken haben. Diese Locken erhielten sie durch die Verwendung von einem extra dafür gefertigten Metallstab, dem sogenannten Calamistrum (lat. für Schilfrohr), der dem Metallstab von Marcel Grateu besonders ähnlich gesehen haben.

Diese Stäbe wurden in einem Tongefäß im Ofen erhitzt. Daraufhin wurden die Haare darüber gewickelt und fielen aus dem selben Grund wie bei Grateu in Lockenform herunter. Da diese Locken genau das selbe Problem haben wie moderne Locken – irgendwann sind sie heraus gewachsen – mussten diese Locken immer wieder bearbeitet werden. Dies führte auf Dauer zu geschlissenem Haar oder sogar zum Ausfall, denn die Stäbe hatten die selben Probleme wie der Stab Grateus. Dies parodierte sogar der römische Karikarist Martial, der über den Calamistrum schrieb, dass er keine Frauen haben wolle, die ihre Haare verbrennen und verätzen. Trotz der großen Gefahren war es für die modebewusste römische Frau unumgänglich, den Stab zu benutzen.

Zum Glück gibt es bei den heutigen Geräten diese Probleme nicht mehr. Generationen an Forschern haben daran gearbeitet, den „modernen“ Calamistrum auf schonende Arbeit zu trimmen, was eine dauerhafte Benutzung möglich macht. Sie als heutige Frau können den Lockenstab also benutzen, ohne dass ihnen die Männer davonlaufen, weil Sie verbrannte Haare haben. Aber jetzt wissen Sie, dass Sie mit ihrer künstlichen Lockenfrisur auf tausende modebewusste Frauen aus den unterschiedlichen Epochen zurücksehen können.

In diesem Video ein paar „antike“ Tipps:

Doch auch heute gibt es noch Frauen, wie zum Beispiel die Lateinlehrerin und Realarchäologin Marianne Reif, die den alten Calamistrum verwenden. Sie setzen ihre eigene Frisur den Gefahren der antiken Lockenstäbe aus, um archäologische Erkenntnisse zu gewinnen, die nicht vom Fundstück alleine zu erfahren sind. Wenn Sie sich auch berufen fühlen, an der Forschung teilzunehmen, reicht eine kurze Suche in Google nach Calamistrum aus, um einen Nachbau eines antiken Lockenstab zu finden und kaufen zu können.

Und warum ist die antike Version nun verschwunden und musste neu erfunden werden?

Als das römische Reich zusammenbrach zogen fremde Stämme in die Gebäude der Römer ein. Diese Menschen wussten nicht, was mit einem Calamistrum anzufangen war und noch weniger, wie er zu fertigen und zu reparieren war. Somit verschwand das ganze Wissen über den Calamistrum für über 500 Jahre. Sie können also froh sein, dass sich Marcel Grateu den Lockenstab wieder einfallen hat lassen. Ansonsten müssten noch heute Archäologen an dem Sinn der Calamistren rätsel.

 

 

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